Warum vereisen Verdampfer

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Warum vereisen Verdampfer in Tiefkühlzellen ?

 

Ist das Vereisen vom Verdampfer nachteilig für meine Kälteanlage?

 

Eine der häufigsten Fehlerquellen in Kälteanlagen sind vereiste Verdampfer. Eigentlich, so könnte man denken, ist doch Eis ein kaltes Medium und kühlt die Ware z. B. in einer Kühlzelle wunderbar, früher hat man doch auch nur Eis für die Kühlung von Kühlschränken genutzt.


Leider hat Eis die unangenehme Eigenschaft, ein schlechter Wärmeleiter zu sein, sprich Eis ist eigentlich ein guter Isolator. Bei einem Kühlraum mit Plusgraden beträgt die Verdampfungstemperatur des Kältemittels ca. -10°C. Diese Temperatur überträgt sich auf die Lamellen des Verdampfers,der dann eigentlich über die Temperatur Differenz von Lamellenpaket minus Raumluft eine Abkühlung erreichen soll.
 
Sind aber die Lamellen eines Verdampfers komplett vereist, kommt der Energieaustausch nur ungenügend zu Stande, in gleicher Zeit kann weniger Energie dem Kühlraum entzogen werden. Die Folge ist unter Umständen ein extremer Temperaturanstieg in der Kühlzelle.
 
 

 

Welche Ursachen hat das Vereisen des Verdampfers?

 

1. Kältemittelmangel in der Kälteanlage
 
Gerade bei Kälteanlagen mit Undichtigkeiten im System wird immer wieder eine Vereisung des Verdampfers beobachtet. Durch die geringere Kältemittelfüllmenge in der Anlage sinkt der Saugdruck, die Verdampfungstemperatur sinkt und dementsprechend auch die Lamellen Temperatur.
 
Abhilfe: Überprüfen Sie den Kältemittelstand im Schauglas ( sitzt meistens in der Druckleitung hinter dem Verdichter, seltener direkt am Kühlmöbel ).
 
Sollten Sie dauerhaft eine Blasenbildung im Schauglas vorfinden, informieren Sie einen Kältetechniker und lassen eine Leckage Überprüfung vornehmen. Lassen Sie sich nicht mit dem blosen Auffülen von Kältemittel abspeisen. Elektronische Lecksuchgeräte sollten zur Ausstattung des Kältemonteurs gehören, ansonsten haben Sie einen Fuscher erwischt. Sollte die Leckage Überprüfung kein Ergebnis liefern, kann ein sogenanntes Lecksuchadditiv eingefüllt werden. Dieses Additiv tritt an undichten Stellen der Kälteanlage aus und kann mit einer UV-Leuchte aufgespürt werden.
 
 
2. Defekte Abtauuhr und Abtauheizung.
 
Gewerbliche Kälteanlagen werden mit einer Abtauuhr ausgestattet. Diese schaltet in bestimmten Zyklen ( Normalkühlung alle 6 Stunden, Tiefkühlung alle 4 Stunden ) den Verdichter aus. Bei einer Kühlanlage ohne Abtauheizung ( in Kühlanlagen mit Plusgraden ) wird der Verdampferlüfter während dieser Abtauphase in Betrieb gelassen und die Verdampferlamellen werden über die Umluft abgetaut. Bei einer Tiefkühlanlage trifft man entweder Abtauheizungen oder eine Heizgasabtauung vor. Bei dieser aktiven Abtauung wird der Verdampferlüfter deaktiviert, um ein Einblasen von warmer Luft in den Kühlraum zu verhindern.
 
 
Abhilfe: Überprüfen Sie, ob die Abtauhr funktioniert. Häufige Fehlerquellen sind eine defekte Abtauuhr oder defekte Kontakte an der Abtauuhr. Es ist auch schon bei manchen Kunden vorgekommen, dass zwar eine Abtauuhr vorhanden war, aber keine Abtauzeiten programmiert waren.
 
Bei mechanischen Abtauuhren stellt man den Zeiger auf eine feste Uhrzeit ein und kontrolliert, ob der Zeiger sich bewegt. Bewegt er sich, kann ein defekter Kontakt oder eine defekte Abtauheizung die Ursache sein. Prüfen Sie in diesem Fall, ob Sie während der Abtauung am Verdampfer das typische Knacken der Abtauheizung oder das Zischen der Heizgasabtauung hören. In jedem Fall muß bei einer Anlage mit nur einer Kühlstelle der Verdichter abschalten. Sollte dieser während der Abtauung arbeiten, kann ein defektes, klebendes Verdichterschütz eine Fehlerquelle sein.
 
 
3. Defekter Verdampfer Lüfter
 
Verdampfer mit Umluftkühlung benötigen den Verdampfer Lüfter, um den Energieaustausch vornehmen zu können. Sollte dieser nicht funktionieren, ist ein Vereisen vom Verdampfer vorprogrammiert. Häufig geben Verdampferlüfter einfach den Geist auf. Die Wicklungen brennen durch, Lager sind defekt oder unter Umständen reicht auch ein defekter Betriebskondensator, damit ein Lüfter seinen Betrieb einstellt. Wir habe das Problem der defekten Betriebskondensatoren sehr häufig an Zanotti Stopfer Kühlaggregaten festgestellt. Beträgt die normale Drehzahl 1300 U/min, wird bei den Zanotti Stopfern gerne ein Lüfter mit 2600 U/min verwendet. Ist der Kondensator defekt, dreht der Lüfter zwar noch, aber nicht mit einem ausreichenden Luftdurchsatz, wodurch die Leistungsabgabe über den Verdampfer wieder vermindert wird. Ein defekter Schaltausgang an der Abtauuhr kann auch verhindern, dass der Lüfter läuft.
 
 
Abhilfe: Austausch des Lüfters. Fangen Sie bloß nicht an, den Lüfter auseinander zu schrauben und zu fetten. Kurzfristig mag dieses bei defekten Lagern funktionieren, langfristig ist dies keine Lösung. Lassen Sie den Lüfter austauschen.
 
Noch ein TIPP: Besitzen Sie einen Verdampfer mit mehreren Lüftern, lassen sie gleich alle austauschen. Die Wahrscheinlichkeit, daß der nächste Lüfter kaputt gehen wird, ist sehr hoch.
 
 
4. Offene Türen und Türdichtungen
 
Ein großes Problem bei Tiefkühlzellen ist die Angst der Mitarbeiter, nach dem Schliessen der Kühlraumtür nicht mehr aus der Tiefkühlzelle heraus zu kommen. Also wird beim Einlagern oder Suchen von Produkten die Tür offen gelassen. Der Mitarbeiter macht sich keine Gedanken über den Energieverlust. Das bei heutigen Tiefkühlzellen immer eine Notöffnung in der Zelle vorhanden sein muß, scheint vielen Menschen nicht bewusst zu sein. Diese Notöffnung ermöglicht sogar ein Öffnen der Tür, wenn von Aussen die Tür abgeschlossen wurde.
 
Was wir aber auch schon häufig erlebt haben, dass die Kühlraumtür nicht verschlossen wurde, weil die Beleuchtung der Tiefkühlzelle defekt war. Damit wenigstens etwas Licht in die Zelle fällt, lässt man halt die Tür offen.
 
Auch eine defekte Türdichtung führt zum Vereisen vom Verdampfer. Ständige Warmluft und damit eine entsprechend hohe Luftfeuchtigkeit gelangt über Tage in die Tiefkühlzelle. Sicherlich sind Türdichtungen nicht gerade günstig, aber taut eine Tiefkühlzelle wegen eines vereisten Verdampfers teilweise auf, sind die Kosten nicht vergleichbar.
 
 
Abhilfe: Überprüfen Sie regelmäßig die Beleuchtung in der Tiefkühlzelle; es gibt spezielle Leuchtmittel, die für den Betrieb und solchen Bedingungen ausgelegt sind. Ein Hammer Symbol auf der Verpackung ist ein Hinweis auf die Tauglichkeit für den Einsatz bei Temperaturen um die -20°C.
 
Lassen Sie einen Kontaktschalter an der Tür montieren, der den Verdampferlüfter ausschaltet, sobald die Kühlraumtür geöffnet wird. Häufig wird der Verdampfer so montiert, dass er gegen die Tür bläst. Mit einem Türkontaktschalter verhindern Sie wirkunsvoll ein Ausblasen der kalten Luft und verhindern das Ansaugen von warmer und feuchter Luft.
 
Ein Streifenvorhang oder Flattervorhang ist zwar eine gute Lösung, bildet er doch eine wirkungsvolle Barriere zwischen Kühlraum und Aussenluft; doch er hat einen großen Nachteil: Er behindert das Personal extrem. Ständig fällt einem der Vorhang ins Gesicht, Ware die auf dem Arm getragen wird, fällt durch den Kontakt mit dem Streifenvorhang herunter. Was passiuert dann häufig: Der Flattervorhang wird zur Seite gelegt und irgendwo angebunden, Hauptsache er behindert das Personal nicht mehr.
 
Eine optimale aber teure Lösung sind Luftschleieranlagen. Diese bilden einen Luftvorhang vor der Kühlraumtür und verhindern wirkunsvoll den Luftaustausch. Diese Luftschleieranlagen werden auch über einen Türkontaktschalter aktiviert. Allerdings sind solche Luftschleieranlagen nicht unter 1.000 Euro zu bekommen.
 
Summa Summarum: Wer Geld sparen will, sollte eine Vereisung nicht einfach so hinnehmen, sondern aktiv dagegen vorgehen. Vorallem sollte dem Betreiber einer Tiefkühlanlage klar sein, dass eine solche Anlage auf den Betrieb vor Ort hin optimiert werden sollte. Ab Werk werden Tiefkühlaggregate zwar mit Standart Parametern ausgeliefert, diese Parameter müssen jedoch bei jedem Kunden individuell angepasst werden.