Schimmelpilzbefall auf dem Lagergut?

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Schimmelpilzbefall auf Dichtstoffen und Lagergut


Ein Zeichen schlechter Qualität oder die Folge unserer Lebensgewohnheiten?


„Alle Jahre wieder“… . Doch diesmal handelt es sich nicht um den Beginn eines Märchens, sondern um handfeste, aber ärgerliche Fakten.

Jährlich werden im Frühjahr und Winter vermehrt Beschwerden vorgetragen, dass inner- und außerhalb von Kühlzellen eine Schimmelbildung auftritt - insbesondere und überwiegend an Stellen, die schlecht belüftet sind, wie z. B. in Ecken, an Dichtfugen und natürlich auf dem gelagerten Kühlgut. Diese samtartigen Verfärbungen sind schwarz, manchmal auch gelb oder grün.


Wenn sich in einem Wohnraum stellenweise an einer oder mehreren Wänden der feine schwarze Belag bildet, dann wird man nicht den Hersteller der Tapete oder des Tapetenkleisters heranzitieren, sondern man stellt fest: Hier ist es feucht und deshalb schimmelt es.

Wenn in einem Kühlschrank oder in einer Kühlzelle die Nahrungsmittel Schimmel ansetzen, hat dies nichts mit dem Kühlschrank oder der Kühlzelle zu tun. Diese sind bei ihrer Anlieferung frei von Schimmel. Die Schimmelsporen werden erst mit den Lebensmitteln in den Kühlschrank oder die Kühlzelle eingebracht, wo sie sich dann vermehren.

 

Begünstigt wird das Wachstum von Schimmelsporen durch folgende Betriebsbedingungen:


- Durch eine seltene Begehung findet so gut wie kein Warenumsatz und Luftaustausch statt. Der Schimmel kann sich ungehindert ausbreiten, wobei diese Reaktion durch die ständige Luftumwälzung, die das Kühlaggregat bewirkt, noch unterstützt wird.

- Um das Entstehen dieser Schimmelvorkommen zu verstehen und einen Zusammenhang erkennen zu können, muss man einige wichtige Tatsachen über Schimmel, seine Lebensweise und Existenzvoraussetzungen kennen und berücksichtigen.

 



Was ist Schimmel?


Was im allgemeinen Sprachgebrauch als Schimmel bezeichnet wird, ist die unsystematische Bezeichnung für Spezialisten verschiedener Verwandtschaftsgruppen in der großen Familie der Pilze, bei denen man heute über 250.000 Unterarten annimmt, wovon wiederum etwa 50.000 als Schimmelpilze eingestuft werden. Alle existieren als „Fäulnisbewohner“ und sie beziehen ihre Nährstoffe aus pflanzlichen oder tierischen Rückständen. Damit übernehmen sie in der Natur die Funktion der „Abfallbeseitigung“. In dieser Eigenschaft machen sie im Prinzip vor kaum einer organischen Verbindung Halt.

Elastische Dichtstoffe sind chemisch betrachtet auf organischen Verbindungen aufgebaut und somit für Schimmelpilze unter bestimmten Bedingungen von Interesse.

Das Auftreten von Schimmel hängt von den spezifischen örtlichen Gegebenheiten ab. Schimmelpilze gehören zu den zähesten und genügsamsten Mikro-Lebewesen mit einer Jahrmillionen währenden Entwicklung und alle haben dabei die Grundregeln des Lebens zur Perfektion entwickelt: Leben und Überlegen durch ständige Anpassung. So ist es zu erklären, dass wir den Vertretern dieser Lebensform überall und jederzeit begegnen.

 


 

Voraussetzung zur Entwicklung von Schimmelpilzen

 

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich eine der vielen Schimmelpilzarten durch eine Mutation, also Veränderung ihrer Lebensfunktionen, auf neue Einflussfaktoren oder Nahrungsangebote (Produkte) eingestellt hat. Was heute noch den Schimmel vernichtet, kann morgen schon als Nährboden dienen. Daher finden wir Schimmelpilze über den ganzen Erdball verteilt, spezialisiert auf die örtlichen klimatischen Gegebenheiten.

Sehr viele Pilze ertragen Temperaturen eines weiten Bereiches und entwickeln sich besonders gut bei angehobenen Wärmegraden, andere brauchen zwingend höhere Temperaturen. Es gibt welche, die erst ab + 24°C oder sogar erst ab + 33°C existieren können. Wieder andere sind auf niedrige Temperaturen spezialisiert, z. B. um oder unter 0°C. Sie sterben bereits bei Temperaturen über + 15°C ab.


Außer Nahrung in Form organischer Verbindungen und der richtigen Temperatur benötigen Schimmelpilze aber unbedingt und zwingend eine ausreichende Menge an Feuchtigkeit, die nicht unterschritten werden darf. Nur wenn diese drei Voraussetzungen zusammentreffen, ist ein Wachstum möglich. Erst durch ausreichende Feuchtigkeit tritt der Lebensrhythmus in Gang.

Schimmelsporen wachsen bei günstigen klimatischen Bedingungen und verwertbarer organischer Substanz außerordentlich schnell und können auf einem geeigneten Nährboden in ein bis zwei Tagen einen Durchmesser von mehreren Zentimetern durch raditäres Spitzen- und Verzweigungswachstum erreichen.

 

Nicht selten entwickeln sich mehrere Pilzgattungen gleichzeitig und treten gemeinsam mit Bakterien auf.

 

Schimmel kann sich also - auf einen kurzen Nenner gebracht - nur dort entwickeln, wo drei Voraussetzungen gegeben sind:

 

- Ausreichend Feuchtigkeit (Wasser)

- Die für den Schimmelpilz entsprechende Wärme

- Der geeignete Nährboden


Schimmel bildet sich vorzugsweise dort, wo wenig Luftbewegung und wenig Licht ist. Um die Verbreitungsgeschwindigkeit des Schimmels zu verringern,

können wir folgende Maßnahmen vorschlagen:


- Absenkung der Betriebstemperatur auf den niedrigsten Punkt, den die eingelagerte Ware verträgt.

-  Absenkung der Luftfeuchtigkeit: Durch Umklemmen/Umstellen des Verdampferlüfters, dass dieser nur Luft umwälzt, wenn die Kältemaschine läuft. In der Regel kann dann die Luftfeuchtigkeit um 10 – 15 % abgesenkt werden.

- Offene Gefäße geben Feuchtigkeit ab. Sie sollten abgedeckt werden.

- Obst und Gemüse sollte in gelochten Frischhaltebeuteln gelagert werden. Es empfiehlt sich, Obst vor dem Lagern mit einem sauberen Papiertuch abzuwischen.

- Weinflaschen neigen im Korkenbereich zu Schimmelbildung. Dieser Schimmel sollte gleich entfernt werden.

- Einsatz von Dichtstoffen mit einer fungiziden Ausrüstung.


Da schimmelnde Dichtungsoberflächen zu Recht stören, versucht man, diese von vornherein zu vermeiden. Es werden daher speziell fungizid ausgerüstete Dichtstoffe hergestellt und angeboten, bei denen durch den Zusatz ausgesuchter chemischer Verbindungen eine pilztötende Wirkung erzielt wird.


Die Wirkungsweise aller fungizid wirkenden Chemikalien beruht auf der lebensfeindlichen Wirkung dieser Substanzen in der Zelle des Schimmelpilzes. Die Löslichkeit muss daher so gegeben sein, dass von dem festen im Dichtstoff eingearbeiteten Wirkstoff eine ausreichend wirksame Konzentration im Feuchtigkeitsfilm, der den zu schützenden Flächen anhaftet, erreicht wird. Nur das gelöste Fungizid wird vom Pilz aufgenommen und wirkt dann in der Schimmelpilzzelle.

Die Löslichkeit liegt im Bereich von 10 bis 100 ppm (Partikel per Million). Substanzen mit derart geringer Löslichkeit werden üblicherweise noch als unlöslich bezeichnet. Es ist aber verständlich, dass das Fungizid durch Umgebungsfaktoren, also Nässe und Wärme, doch langsam verbraucht wird, die Standzeit also begrenzt ist und die Fungizidwirkung durch diese Einflüsse bestimmt wird.


Ideale Fungizide mit allen gewünschten Eigenschaften gibt es nicht! Früher wurden Quecksilberverbindungen eingesetzt, die heute aus Gründen der berechtigten Umweltsicherheit verboten sind und durch andere Chemikalien ersetzt wurden.


Auch die fungizide Ausrüstung unterliegt in ihrer Wirkung der natürlichen Abnutzung! Weiterhin kann man nicht verhindern, dass sich eventuell zu einem nicht vorherzusehenden Zeitpunkt die Mutation einer Schimmelpilzgattung an die fungizid wirkende Chemikalie gewöhnt hat und damit resistent wird. Aber dies gilt erfahrungsgemäß für jede chemische Schädlingsbekämpfung. Aus beiden Gründen - nachlassende Wirkung und eventuelle Anpassung - kann also nach einiger Zeit trotz der fungiziden Einstellung plötzlich doch Schimmelbefall auftreten.


Sollte in einer Kühlzelle Schimmelbefall aufgetreten sein, so sitzt der Schimmel bereits im Dichtstoff fest verankert, so dass dieser komplett entfernt werden muss. Auch hierbei hat eine zusätzliche Desinfektion der näheren Umgebung der Haftungsflächen bestens bewährt. Dies geschieht mit geeigneten Desinfektionsmitteln, die jedoch nicht chlorhaltig sein dürfen, da sonst die Oberflächenbeschichtung der Kühlzellen durch das Chlor angegriffen wird. Hier kann z. B. eine Kaliumsorbatlösung verwendet werden (Ansatz 1 Esslöffel Kaliumsorbat auf 0,1 l Wasser).

Auch alle befallenen Lebensmittel sind zu entsorgen oder mit einer Kochsalzlösung abzuwaschen. Ganz wichtig ist, dass auch der Verdampfer der Kälteanlage gründlich gereinigt wird, weil sich dort sehr gerne Schimmelsporen festsetzen.


Nach Durchführung all dieser Maßnahmen werden den Schimmelpilzen die notwendigen Lebensbedingungen entzogen.